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LEGO 10266 - NASA Apollo 11 Lunar Lander - Review

Juni 10, 2019 - Lesezeit: 14 Minuten

Die NASA feiert in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum. am 21. Juli 1969 gipfeln alle Anstrengungen des Apollo-Programms in der ersten bemannten Mondlandung. Diese besondere Datum würdigt LEGO mit einem neuen Modell der Mondlandefähre. Was dieses Modell kann, zeige ich euch nach dem Break!

Wir begeben uns in die Zeit des Kalten Krieges. Von 1947 an beharkten sich die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten mit einem Rüstungswettlauf in bisher nie gekannten Ausmaßen. Neben allen Auseinandersetzungen am Boden, stritt man auch im Weltraum um die technische Vorherrschaft.

Lange sah es danach aus, dass die Sowjetunion diesen Wettlauf gewinnen könnte. Stellten diese doch mit Sputnik 1 den ersten künstlichen Satelliten, mit Wostok 1 und Juri Gagarin den ersten bemannten Raumflug und mit Luna 9 die erste Landung einer Raumsonde auf der Mondoberfläche.

Um das eigene Prestige wiederherzustellen bzw. zu sichern, setzten sich die USA ein ehrgeiziges Ziel. Man wollte vor der Sowjetunion die erste bemannte Mondlandung erreichen. Dies war allerdings anfangs nicht gerade von Erfolg gekrönt. Nach einigen Fehlschlägen der Vorgänger-Programme (Ranger) drängte die Zeit. Auch, da die Sowjetunion im Geheimen ihr eigenes Mondprogramm weiter voran trieb.

Allerdings schafften es die USA in einem atemberaubenden Sprint von der Veröffentlichung der Pläne zur Durchführung dieses Programms 1961 durch Präsiden John F. Kennedy bis zur Landung 1969 in gerade mal acht Jahren, ein Konzept zur Mondlandung zu entwickeln, alle beteiligten Komponenten und Verfahren zu erproben und die Mondlandung durchzuführen.

Einen Dämpfer erhielt das Apollo-Programm bei einem bemannten Bodentest. Die Astronauten Gus Grissom, Ed White und Roger Chaffee sollten die Systeme der Raumkapsel ohne tatsächlichen Flug auf der Startrampe erproben. In der damals verwendeten reinen Sauerstoffatmosphäre, führte ein elektrischer Funke zu einem verheerenden Brand in der Kapsel. Da man den Test als unkritisch erachtete und kein Rettungspersonal bereit stand, konnten die Astronauten nur noch tot aus der verbrannten Kapsel geborgen werden.

Dieses dramatische Ereignis führte in der Folge zu vielen Verbesserungen der Prüfverfahren und der Technik. So wurde zum Beispiel fortan ein Sauerstoff-Stickstoff-Gemisch statt des reinen Sauerstoffs eingesetzt und die Kabelbäume und deren Wege durch die Kapsel überarbeitet.

Zu Ehren der beim Brand getöteten Astronauten, wurde der Bodentest entgegen anders lautender Pläne zu "Apollo 1" umbenannt.

Glücklicherweise sollte sich bis zum Start von Apollo 11 ein solcher Unfall nicht wiederholen. Am 16. Juli 1969 starteten die Astronauten Michael Collins, Edwin Aldrin und Neil Armstrong mit Apollo 11 auf ihren drei Tage dauernden Weg in die Mondumlaufbahn.

Am 20. Juli begann der Umstieg in die Mondlandefähre. Neil Armstrong und "Buzz" Aldrin begannen ihren Abstieg zur Mondoberfläche. Nach einem nervenaufreibenden Endanflug meldete Armstrong am 20. Juli 1969 um 20:17:58 Uhr UTC: "The Eagle has landed!". Der größte Teil des Weges war geschafft. Da noch diverse Checks durchzuführen waren, sollte es aber noch einige Stunden dauern, bis Armstrong als erster Mensch am 21. Juli 1969 um 02:56:20 UTC die Mondoberfläche betreten konnte.

Genau diese bedeutenden Moment hat LEGO mit dem neuen Apollo 11 Lunar Lander Modell nachgestellt. Am 01. Juni ging das Set für 89,99 EUR über den Lego-Shop in den Verkauf. Für mich bei enthaltenen 1087 Teilen und Weltraum-Fan ein No-Brainer.

Aber nun endlich zum Set. Wie immer zeige ich euch erstmal die Verpackung.

Die Verpackung

Auf der Vorderseite der Box lassen sich bereits einige Funktionen der Landefähre erkennen. So wird es mit dem fertigen Modell möglich sein, die Aufstiegs- von der Abstiegsstufe zu trennen.

Darunter ist die Größe des fertig aufgebauten Modells zu erkennen. Das komplette Modell wird im Ergebnis eine Grundfläche von 20 mal 20 Zentimetern haben und auch ungefähr 20 Zentimeter hoch sein. Viel mehr gibt die Vorderseite nicht her, weshalb wir uns gleich der Rückseite zuwenden.

Hier sind nochmal die einzelnen Funktionen im Detail aufgeführt. So verfügt die Landefähre über ein Innenleben, das man durch das Abnehmen der Seitenteile problemlos erreichen kann. Zudem sind zwei Staufächer vorhanden. Im ersten Staufach ist die TV-Kamera enthalten, die Armstrong bei seinem Ausstieg gefilmt hat und die nahezu jeder schon mal irgendwo gesehen haben dürfte. Im zweiten Staufach findet der Laserreflektor platz, mit dessen Hilfe es bis heute möglich ist, die Distanz zwischen Erde und Mond hochgenau zu messen.

Witziges Detail: Auch die Gedenkplakette an einem der Landebeine haben die Designer nicht vergessen. Nur schade, dass diese in schwarz und nicht im Edelstahllook ist, wie das Original.

Der Inhalt

Der Inhalt teilt sich auf neun Tüten und insgesamt 4 Bauschritte auf. Wie ihr hier vielleicht schon sehen könnt: LEGO setzt bei diesem Set wieder auf Sticker. Noch nicht mal die Stars and Stripes haben es zum Print geschafft. Das ist besonders Schade, da das Set thematisch naturgemäß perfekt zur Saturn V passt und hier nicht ein einziger Sticker enthalten war.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die toll gemachte Bauanleitung. Auf den ersten Seiten informiert das Anleitungsheft sowohl über die Weltraumagentur, als auch über das gesamte Apollo-Programm. Wie in letzter Zeit gewohnt, ist der redaktionelle Teil des Heftes in Englisch gehalten. Später wird sich das Heft auch in deutscher Sprache über die LEGO-Webseite als PDF herunter laden lassen. Hier ein paar Ausschnitte:

Da sind wirklich einige tolle Fotos dabei. Darunter auch einige, die ich persönlich bisher in noch keiner anderen Publikation zum Thema Mondlandung gesehen habe.

Über die Anleitung hinweg sind an den passenden Stellen auch interessante Infos zur Technik verteilt. Dadurch wird der Bau recht kurzweilig und man beschäftigt sich schon während dem Zusammenstecken mit dem fertigen Modell.

Das auf der Packung empfohlene Alter von 16+ halte ich persönlich für übertrieben. Der Aufbau gestaltet sich als nicht sonderlich kompliziert. Vom Anspruch her können auch jüngere Baumeister dieses Set bedenkenlos in Angriff nehmen. 

Der Aufbau

Schritt 1

Der erste Schritt beschäftigt sich ausschließlich mit dem Landeplatz der Mondfähre. Statt aber nur eine flache Platte zu verwenden, haben sich die Landschaftsgestalter hier schon ziemlich ins Zeug gelegt. In der fertigen Bodenplatte sind bereits die Vertiefungen und Aufwerfungen zu erkennen, welche die Landebeine beim Aufsetzen auf den unberührten Mondboden hinterlassen haben. Sogar an die ersten menschlichen (oder minifigürlichen) Fußspuren haben die Designer gedacht.

Diverses Mondegeröll und einen großen Krater haben die Designer mit Hilfe verschiedener Slopes nachgebildet.

Dem ganzen haben die Designer einen schwarzen Rahmen mit Schriftzug (dem einzigen bedruckten Teil im Set neben den Minifiguren) verliehen. Mich erinnert das ein wenig an die Sets der Architecture-Reihe. 

Schritt 2

Im zweiten Schritt wird der erste Teil der Abstiegsstufe zusammengesetzt. In diesem Teil sind auch schon die beiden Staufächer für die TV-Kamera und den Laserreflektor untergebracht.

Witziges Detail: Im Bild lassen sich die Tanks für den Raketentreibstoff (rot, Aerozin 50) und das für den Betrieb des Triebwerks im Weltraum notwendige Oxidationsmittel (weiß, Distickstofftetroxid) erkennen. Diese beiden Bestandteile reagieren bei Kontakt (hypergolisch). Vorteil dieser Mischung ist, dass diese Form von Treibstoff keine Aufwendige Technik zum Zünden des Gemischs benötigt und dass die Triebwerke mehrfach bei Bedarf gezündet werden können.

Komplett fertig gestellt wird die Abstiegsstufe aber erst in Schritt 3.

Schritt 3

In diesem Schritt erhält das Modell seine restliche Verkleidung mit perl-goldenen Fliesen. Diese sollen die zur thermischen Isolierung verwendete Kapton-Folie nachbilden. Auch die ausgefahrenen Landebeine finden nun ihren Platz. Leider lassen sich die Beine nicht einfahren. Das ist allerdings Jammern auf höchstem Niveau und lässt sich aufgrund des Charakters eines Displaymodells sicher verschmerzen.

Schritt 4

Der letzte Bauabschnitt beschäftigt sich ausschließlich mit dem Aufbau der Aufstiegsstufe. 

Auch hier haben die Designer auf ein witziges Detail geachtet. Da es keinen Platz und aufgrund der geringen Schwerkraft und Beschleunigung keine Notwendigkeit dazu gab, befinden sich in der Aufstiegsstufe keine Sitze. Armstrong und und Aldrin wurden lediglich durch Gurte gesichert. Auch das LEGO-Pendant ist so gestaltet, dass zwei Minifiguren problemlos darin stehen können.

Um den Innenraum gut erreichen zu können, lassen sich im LEGO-Modell beide Seitenteile abnehmen. In der realen Aufstiegsstufe wäre ein solches Feature wohl eher hinderlich für einen erfolgreichen Missionsabschluss gewesen ;o)

Zum Abschluss dieses Artikels gebe ich euch hier noch ein paar weitere Eindrücke des fertigen Modells:

Fazit

Mit dem Apollo 11 Lunar Lander ist LEGO ein überzeugendes Set gelungen. In der Vergangenheit gab es von LEGO (SET 565 - Moon Landing und 10029 - Discovery: Lunar Lander) und auch von Herstellern von Klemmbausteinalternativen (COBI 21075 - Apollo Lunar Module - hier im Review) schon Sets zu diesem Fluggerät. Allerdings reichte keines davon an die Detailfülle und Größe dieses neuen Modells heran.

Das Set ist super gelungen und bietet auch einige unerwartete Details und Überraschungen. Genau diese Detailverliebtheit ist es doch, die LEGO-Sets besonders macht und von der Konkurrenz abhebt. Der Preis von 89,99 EUR ist sicher nicht geschenkt, aber aufgrund der Detailfülle dieses Sets zu verschmerzen, auch wenn die Saturn V für läppische 30 EUR knapp 900 Teile mehr auf die Waage bringt.

Der einzige Kritikpunkt sind wie so oft die Sticker. Gerade bei einem solchen Modell, das man nicht bespielen, sondern herzeigen möchte, hätten es gerne Drucke sein dürfen.

Wie ich aber kürzlich herausgefunden habe, hat sich um diesen Mangel bereits ein Geschäftsmodell entwickelt. Beim steindrucker.com gibt es für diverse Sets bedruckte Steine. Vielleicht auch bald für die Apollo Landefähre? Eine solche Ergänzung wertet das fertige Set mit Sicherheit auf.

Wie findet ihr das Set? Gibt es eurer Meinung nach Dinge, die Lego übersehen hat? Nutzt gerne den Kommentarbereich!

Ich hoffe ihr hattet Spaß und wünsche euch einen schönen Start in die Woche!

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