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KAZI KY83011 - Hayabusa Raumsonde - Review

Oktober 3, 2020 - Lesezeit: 11 Minuten

Hallo zusammen,

heute wagen wir uns in östlichere Gefilde der Raumfahrt. Nicht der übliche Kandidat NASA steht heute im Mittelpunkt. Mit KAZI's Hayabusa Raumsonde wird dieses Mal ein Raumfahrzeug der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA mit einem Klemmbausteinset gewürdigt. Ich selbst hatte noch kein Set von KAZI auf meinem Bautisch. Lasst uns also sehen, ob sich der Kauf lohnt. Details gibt's (wie immer) nach dem Break!

Bereits am 09. Mai 2003 startete die japanische Raumfahrtbehörde JAXA die Hayabusa-Raumsonde auf ihre zweijährige Reise. Ziel des Unternehmens war der Asteroid Itokawa. Der Name der Raumsonde kommt nicht ganz von ungefähr. Der japanische "Hayabusa" bezeichnet einen Wanderfalken. Und wie eben dieser Wanderfalke, sollte sich die kleine Raumsonde auf die Oberfläche des Asteroiden herabstürzen, den Staub aufwirbeln mit einer speziellen Auffangvorrichtung Bodenproben des Asteroiden entnehmen und diese wieder heil zur Erde zurück transportieren.

Das ganze Unternehmen stand dabei unter keinem guten Stern. Starten sollte die Sonde eigentlich unter Beteiligung der NASA, welche einen Lander zur Sonde beisteuern sollte. Dieses Vorhaben wurde allerdings aus finanziellen Gründen gestrichen. Bereits während der Flugphase ereigneten sich diverse Defekte. Auch der Versuch einen eigene Lander Minerva der JAXA auf der Oberfläche abzusetzen war aufgrund von Problemen beim Missionstiming nicht von Erfolg gekrönt.

Nach zwei Anläufen konnte die kleine Sonde aber allen Widrigkeiten zum Trotz erfolgreich Proben der Asteroidenoberfläche entnehmen. Am 13. Juni 2010 konnte Hayabusa ihre Bodenproben in einer versiegelten Wiedereintrittskapsel erfolgreich über Australien abliefern. Bis dahin war allerdings keinesfalls klar, ob überhaupt genug Probenmaterial eingesammelt werden konnte. Die Bestätigung gab es erst mit dem Abschluss der Untersuchungen des Probenmaterials. Über 1.500 Partikel konnten eingesammelt werden, von denen die meisten nachweislich extra-terrestrischen Ursprungs sind und somit von Itokawa stammen müssen. Somit darf man guten Gewissens von einem Erfolg der Mission sprechen.

Es soll allerdings nicht bei diesem einen Versuch bleiben. Mit Hayabusa 2 befindet sich eine zweite Raumsonde aktuell im Orbit um den Asteroiden Ryugu. Auch sie hat das Hauptmissionsziel Bodenproben des Asteroiden zur Erde zurückzubringen. Bisher lief diese zweite Mission sehr zuverlässig und erfolgreich. Sollte die Mission weiter so glücklich verlaufen, wird Hayabusa 2 ihre Proben im Dezember diesen Jahres auf der Erde abliefern. Wir dürfen also noch gespannt sein.

Gespannt seid ihr auch sicher für das anstehende Review. Zuallererst will ich euch aber noch erzählen, wie ich an das Set gekommen bin. Dieses mal habe ich mich dazu hinreißen lassen, eine kleinere Bestellung bei den Flörsheimer Klemmbaustein-Logistikern von Bluebrixx aufzugeben. Bei ebendiesen konnte ich das Set zum Preis von genau 14,57 EUR erstehen. Dafür erhaltet ihr insgesamt 335 Teile und kommt somit auf ein Steine-Preisverhältnis von ungefähr 4 Cent pro Stein.

Moment mal... gabs von LEGO nicht auch bereits einen Hayabusa-Bausatz? Ja, ihr habt recht. Unter der Setnummer 21101 und dem damals noch recht frischen CUUSOO (später: "Ideas") Programm hatte auch LEGO bereits 2012 ein Modell der Hayabusa-Raumsonde aufgelegt. Das Modell war insgesamt detaillierter als das hier getestete Modell von Kazi und enthielt noch eine exklusive Minifigur. Leider ist dieses Modell schon lange aus den Regalen verschwunden und war auch nur in einem relativ kurzen Zeitraum von eineinhalb Jahren (von Juli 2012 bis November 2013) erhältlich. Dementsprechend müsst ihr mittlerweile ordentliche Mondpreise jenseits der 200 EUR zahlen, wenn ihr ein neuwertiges Exemplar dieses Modells in Händen halten wollt. Der damalige Neupreis des Modells lag bei ca. 50 EUR bei insgesamt 369 Teilen.

Nun kann man sich trefflich über etwaige Ähnlichkeiten zwischen beiden Sets streiten. Aber es ist wie bei vielen Modellen, die sich eines realen Vorbilds bedienen: Aufgrund der Vorlage wird es immer eine gewisse Menge an Überschneidungen bei der Konstruktion geben. So natürlich auch in diesem Fall. Ich möchte das an dieser Stelle auch nicht weiter werten. Was denkt ihr? Ist dieses Modell deutlich zu nah an seinem dänischen Vorgänger? Lasst es mich gerne über die Kommentarfunktion wissen.

Die Verpackung

Das Set kommt in einem stabilen und durchaus ansehnlich gestalteten Karton. Wie für viele China-Sets üblich wird hier allerdings recht viel Luft umbaut. Auf der Rückseite des Kartons gibt KAZI noch Auskunft über ein weiteres "Feature". Bei der Raumsonde handelt es sich um Set aus einer Reihe von drei Sets. Kauft man alle drei, lassen sich diese drei Sets zu einem vierten Set kombinieren. Im Ergebnis erhaltet ihr also eine recht umfangreiche (fiktive) Raumstation.

Da mich allerdings mangels eines realen Vorbilds weder die Raumstation reizt und mir  anderen beiden Sets auch keinen all zu großen Lustgewinn bringen, hab ich auf den Kauf der ergänzenden Sets verzichtet.

Wie zu erwarten, waren auch bei diesem Set die enthaltenen Figuren etwas kopflos. Aufgrund der anhaltend unklaren Lage ob der Nähe zu den originalen Minifiguren aus Dänemark tun deutsche Händler gut daran, auf das beilegen von Minifiguren zu verzichten. Wermutstropfen in diesem Fall war allerdings, dass die Figuren nicht nur "geköpft" waren. Es fehlte schlicht der ganze Oberkörper. Da es mir aber um die Sonde und nicht um die Figuren geht, kann ich damit sehr gut leben.

Die Teile des Sets sind auf insgesamt sieben Tüten aufgeteilt. Natürlich gibt es auch eine schicke Aufbauanleitung dazu, die allerdings noch eine Besonderheit für Klemmbausteinfans bereithält, die ich so noch nirgends zu Gesicht bekommen habe.

Ein absoluter Pluspunkt dieses sind die bedruckten Panels, welche die Solarpaneele darstellen sollen. Auch wenn diese mehr wie Fenster wirken und leicht verkratzt sind, bin ich immer froh um jedes bedruckte Teil aus einem Set asiatischer Provenienz. Und das nochmal für die Dänen zum Mitschreiben: Bei einem Teilepreis von 4 (in Worten "vier") Cent.

Der Aufbau

Insgesamt gestaltet sich der Aufbau relativ problemfrei. Die Bauanleitung trägt dazu durchaus ihren Teil bei. Aber KAZI... eins müsst ihr mir erklären... 

Statt eine Anlegehilfe für Kreuzachsen abzudrucken oder zumindest das Noppenmaß an der Achse anzugeben, schreibt ihr wirklich lieber "ca. 48 mm" an die Achsen dran? Seid ihr behämmert? Wir sitzen doch nicht mit dem Zollstock am Bautisch!

Was im Grunde gut funktioniert, ist die allgemeine Klemmkraft der Systembausteine. Diese halten insgesamt tadellos und sind ihrem Preis angemessen. Diesen bezahlt man allerdings wiederum mit recht miesen Spaltmaßen zwischen den Fliesen, was ihr im unteren Foto sehen könnt. Da geht also noch was.

Leider hat sich auch ein Stein in die Tüten verirrt, bei dem augenscheinlich die Gussform bei einem Farbwechsel nicht ordentlich gereinigt wurde. Ich dachte zuerst, der Stein wäre etwas ölig aufgrund eines möglicherweise verwendeten Trennmittels. Aber dankenswerter Weise lässt sich dieser Stein so verbauen, dass er bei diesem Set nicht weiter auffällt. Man bekommt halt eben doch, was man bezahlt hat.

Insgesamt etwas mies ist die Klemmkraft der Technic-lastigen Teile. Insbesondere die Achsstopper machen ihrem Namen in diesem Set keine Ehre. Wenn KAZI schon auf solche Konstruktionen setzt, dann sollte hier auch eine ähnliche gute Klemmkraft wie bei den Systembauteilen gegeben sein. Auch hier kann man also durchaus noch nachlegen. Nun handelt es sich bei diesem Set allerdings kaum um ein Spielmodell... Seis drum...

Um ganz ehrlich zu sein, hätte ich nicht erwartet, so viele Details der originalen Raumsonde an diesem Modell wieder zu finden. So werden nicht nur die RCS-Triebwerke im Modell dargestellt, sondern auch an das Ionentriebwerk (Foto links) sowie an die Startracker und sogar an die Wiedereintrittskapsel (dargestellt durch den gelben Dish im rechten Foto) haben die Designer gedacht. Eine positive Überraschung.

Fazit

Insgesamt erhält man für schmales Geld einen gemessen am Preis recht detaillierten Nachbau der Hayabusa-Sonde. Die Steinequalität von KAZI ist gemessen am Preis OK. KAZI liefert eine gute Klemmkraft und verzichtet dankenswerter Weise auf lästige Aufkleber. Lediglich die Übergänge zwischen den Fliesen und die Klemmkraft der Technic-Teile könnte besser sein. Dafür gab es keine Fehlgüsse bzw. -teile und die Kratzer halten sich in Grenzen. Für die 15 EUR geht das klar.

Als Space-Nerd kommt man um dieses Set eigentlich nicht herum, wenn man nicht gewillt ist, ca. 60 EUR für einen Rebrick oder zwischen 200 und 300 EUR Liebhaber-Preis für das dänische Original über die Theke wandern zu lassen. Der Aufbau war kurzweilig und das fertige Modell macht in der Vitrine eine gute Figur.

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