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Kaiyu K96102 - Drift Car - Review

Februar 10, 2021 - Lesezeit: 15 Minuten

Hallo zusammen,

schnöde ferngesteuerte Autos mit einfacher Servolenkung sind dir nicht spaßig genug? Ein Kettenantrieb bringt dir auch keine Satisfaction? Dir kann geholfen werden! Bei einem meiner Streifzüge bei Aliexpress ist mir das Drift Car von Kaiyu aufgefallen. Was dieses Teil von anderen RC-Sets unterscheidet, erfährst du nach dem Break!

Wenn es bei Klemmbausteinen Technic-lastig wird, kommt immer schnell der Wunsch nach einer Fernsteuerung solcher Modelle auf. Das hat auch LEGO das mitbekommen und bietet mit Control+ ein neues und leider auch sehr teures Fernsteuerungssystem an. So ist der zuletzt veröffentlichte Off-Road Buggy aus dänischer Produktion sogar mit Rabatt kaum unter 100 EUR zu haben. Da überlegt man sich in der Regel mehr als einmal, ob es einem dieser tiefe Griff ins Portemonnaie wert ist.

Aber dankenswerter Weise haben nicht nur die Klemmbaustein-Produzenten in Dänemark hier einen Markt erkannt. Nein, auch in Fernost wird dieses Thema der lustigen RC-Gefährte ordentlich beackert. Zudem gibt es dort deutlich ausgefallenere Modelle, als schnöde und normal angetriebene Off-Road Fahrzeuge.

Vielleicht habt ihr ja schon von Mecanum-Rädern gehört. Meines Wissens nach machte Mould King mit einem Set mit diesen Rädern den Anfang. Von normalen Rädern unterscheiden sich diese Mecanum-Räder, dass diese nicht über eine mechanische Lenkung gelenkt werden müssen. Viel mehr kann ein damit ausgerüstetes Fahrzeug diagonal und seitwärts fahren, einfach indem die Fahrtrichtung einzelner Räder angepasst wird.

Diese Art der Fortbewegung findet schon seit langem in der Robotik oder bei der Fortbewegung in beengten Platzverhältnissen Anwendung. Aufgrund des komplizierten Aufbaus der Räder waren diese auch immer recht teuer.

Kaiyu bietet nun allerdings mehrere Klemmbausteinsets an, die sich dieser Art der Fortbewegung bedienen. Optisch hat mir das Drift Car deutlich am Besten gefallen. Es gibt aber auch noch diverse andere Modelle für jeden erdenklichen Geschmack.

Ich selber habe das Set für spottbillige 29 EUR bei AliExpress inkl. kostenloser 7-Tage Lieferung aus Polen erstanden. Für diesen Tarif erhaltet ihr ein Technic-Set aus 557 Teilen inkl. Fernsteuerung. Nochmal zur Erinnerung: Der Off-Road Buggy aus Dänemark hat 374 Teile und soll eigentlich 129 EUR kosten.... Muss ich dazu noch was sagen?

Wozu ich leider nichts sagen kann, ist die Verpackung. Die spart sich der Händler aus Fernost ein, um eine möglichst geringe Packgröße und entsprechend niedrige Versandkosten zu erreichen. Das Set kommt dann meist, wie in meinem Fall, in einer sehr kompakt zusammengepressten Luftpolsterfolie an.

Allerdings ist der Inhalt von dieser Packweise erfreulich unbeeindruckt geblieben. Weder der Stickerbogen, noch die Anleitung sind zerknittert. Es ist nichts verbogen oder zerbrochen. Alles also tipptopp.

Der Aufbau

Apropos Anleitung... Diese ist einfach gehalten. Wir finden typische Aufbauhilfen wie eine Teileliste pro Bauschritt oder eine Anlegehilfe für Achsen. Das macht den Aufbau im Grunde erfreulich einfach. Beim eigentlichen Bau merkt man allerdings, dass es sich wohl um eine maschinell erstellte Anleitung handeln muss. Gelegentlich sind Zugänge für Achsen bereits zugebaut und man muss einen oder zwei Schritte zurück bauen, um das passende Teil setzen zu können. Ich meine, das wäre mir über den ganzen Aufbau hinweg zwei oder drei Male passiert. Das ist nicht schön, aber damit kann ich leben.

Aufgrund dieser Einschränkungen empfehle ich persönlich dieses Set allerdings nicht für ganz junge EinsteigerInnen. Diese sollten sich vielleicht erstmal das eine oder andere Einsteigerset aus Dänemark zu Gemüte führen. Ab etwa 10 Jahren sollte dieses Set (abgesehen von etwas Geduld beim Anbringen der Sticker) keine all zu hohe Herausforderung mehr darstellen.

Kern dieser Sets ist der smarte Baustein. Dieser beherbergt einen Lithium-Akku, eine Bluetooth-Schnittstelle, vier getrennt ansteuerbare Motoren für den Antrieb, zwei Anschlüsse für Power Functions und offenbar auch einen Lautsprecher. Der Lautsprecher wird im Falle dieses Sets allerdings nicht angesteuert und bleibt ohne Funktion.

Ich denke dafür gibt es sowohl Fürsprecher als auch Gegner. Geht beispielsweise einer der Motoren ein, ist natürlich der ganze Block reif für den Müll. Das gleiche gilt natürlich auch, wenn der eingebaute Akku schlapp macht. Austauschbar ist auf den ersten Blick nichts. Und nicht jeder schwingt wie selbstverständlich den Lötkolben und ist in der Lage, kleine Wehwehchen selbst zu kurieren. Auf der anderen Seite bekommt man hier viel Funktion in engem Raum untergebracht. Bitte beurteilt selbst, wie ihr das findet. Ich habe Verständnis für beide Seiten.

Aufgeladen wird der Block noch mittels Micro-USB. Dazu kann entweder das mitgelieferte Kabel oder, wie ich selbst getestet habe, eines aus der hauseigenen Kram-Schublade genommen werden. Der Block ist hier nicht wählerisch. In diesem Segment wird es wohl noch eine Weile dauern, bis wir USB-C-kompatible Buchsen finden. Mit etwas Fummelei kommt man beim fertigen Modell an den Anschluss ohne ein Teil abzunehmen. Einfacher wird es allerdings, wenn man eines der Seitenpaneele löst. Das ist durchaus machbar.

Der kleine Schalter zum Ein- und Ausschalten des Blocks macht keinen zu hochwertigen Eindruck. Aber das ist in diesem Preissegment Jammern auf allerhöchstem Niveau.

Eine LED zeigt den Lade- und Betriebszustand an. Eine rot-blinkende LED bedeutet, dass der Akku geladen wird. Ist die Aufladung abgeschlossen, leuchtet die LED durchgehend rot. Der Betrieb wird über eine blaue LED angezeigt.

Der Block kann entweder mittels Smartphone und zugehöriger App, als auch mit der beiliegenden Fernsteuerung angesteuert werden. Auch das ist im Vergleich zum dänischen Buggy sehr angenehm. Hier hat LEGO die Fernsteuerung unverständlicherweise nämlich komplett weggespart und zwingt euch, dem oder der Bedienerin ein zumindest halbwegs aktuelles Handy bereitzustellen. Ich kann es nicht oft genug sagen: Wir reden hier über einen Straßenpreis-Unterschied von schlappen 60 EUR! Wenn wir grad von wegsparen reden: die drei AAA-Batterien für die Fernbedienung müsst ihr zusätzlich kaufen. Diese sind im Set nicht enthalten.

Nicht zuletzt gibt es für die Dreier-Pin-Fanatiker hier ein kleines Schmankerl. In diesem Set sind die begehrten Dreier-Pins in Dark Blue enthalten. Und soll ich euch was sagen? Die Farbe dieser Pins hatte keinerlei Auswirkung auf den Erfolg des Aufbaus. Wer hätte das gedacht!?

Nun wollen wir aber auch mal ein Auge auf die enthaltenen Räder werfen. Wie ihr seht, sind jeweils zwei Räder mit unterschiedlichen Laufrichtungen enthalten. In den letzten Bauschritten müsst ihr besonders auf die korrekte Montage des passenden Rads auf der passenden Achse achten. Aber keine Furcht: die Anleitung weist euch den Weg.

Die Räder funktionieren tadellos. Wie sich bei meinen ersten Tests herausgestellt hat, ist das verwendete Gummi für die Laufrollen ein regelrechter Magnet für Staub- und Tierhaare. Wenn ihr also denkt, dass ihr eure Bude recht gewissenhaft reinigt, belehren euch diese Räder schnell eines Besseren.

Der eigentliche Aufbau verlief so dermaßen flott und unspektakulär, dass ich darüber sogar vergessen habe, einzelne Fotos zu machen. Die Teilequalität dieses Sets ist granatenmäßig und vergleichbar mit CaDA oder Mould King. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich denken können, dass ich hier dänische Teile verbaue. Alles passt perfekt, nichts wackelt, die Teile fassen sich angenehm an. Das Gummi der Reifen riecht nicht... ein Träumchen. Nochmal: Das gibt es für weniger als ein Viertel der dänischen UVP! Ich hätte es nicht geglaubt, wenn ich das Set nicht selber in Händen gehalten hätte.

Die App

Auch bei der App zum Set gibt es keine großen Hürden zu überwinden. Im Gegensatz zu manch anderen Herstellern, ist die App im regulären Google Play Store zu bekommen. Man muss diese also nicht über eine andere dubiose Methode herunterladen und installieren. Eine iOS-App soll es ebenfalls geben, mangels iPhone kann ich allerdings dazu keinen Erfahrungsbericht abgeben. Ihr findet die App einfach, in dem ihr in Google Play nach "Kaiyu" sucht. Die App benötigt zum Betrieb eine Internet-Verbindung, da darüber offenbar die unterstützten Blöcke und Fahrzeuge nachgeladen werden.

Wenn ihr des Chinesischen nicht mächtig seid, solltet ihr direkt im ersten Schritt per Klick auf das Zahnrad-Symbol auf die Einstellungen wechseln und auf "English" umstellen. Viel zu Übersetzen gibt es allerdings nicht.

Auf der Startseite der App seht ihr die verschiedenen Blöcke, die mit dieser App gesteuert werden können. Wählt hier den Block "M Series" aus.

Wenn ihr den korrekten Block ausgewählt habt, erhaltet ihr eine Übersicht der dazu kompatiblen Modelle. Auch eine Option um den Block individuell anzusteuern ist hier enthalten.

Wenn ihr das blaue Drift Car auswählt, bietet euch die App mehrere Möglichkeiten, mit dem Modell zu spielen. Control und Drive bieten euch zwei Fernsteuerungsmodi mit unterschiedlichen Layouts. Hinter dem Punkt Action befindet sich ein Schieberegler, der zumindest bei meinen Versuchen keine Funktion ausgelöst hat. Sogar ganze Abläufe sollen sich analog zu LEGOs Control+ App programmieren lassen. Das hat allerdings zum Testzeitpunkt bei mir ebenfalls (noch?) nicht funktioniert.

Der Control-Modus bildet in etwa das Layout der beiliegenden Fernbedienung ab. Der zentrale Schieberegler regelt... nichts. Ich hätte vermutet, dass man hier "Gänge" wechseln und das Drift Car mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen kann. Allerdings hat sich in meinem Fall das Fahrverhalten nicht verändert.

Die Verbindung mit dem Drift Car ist pupseinfach. Schaltet den Motor-Block ein und klickt in der App auf das Bluetooth-Symbol. Fertig ist die Laube und es kann losgehen. Viel einfacher geht es nicht, vorausgesetzt, man verwendet nicht die mitgelieferte Fernbedienung.

Fazit

Wollen wir also nochmal zusammenfassen: Für etwas über 29 EUR erhaltet ihr ein ferngesteuertes Klemmbausteinset mit ungewöhnlichem Antrieb, toller Teilequalität und einer Steuerung wahlweise per mitgelieferter Fernbedienung oder einfacher, aber funktionaler App. Das fertige Fahrzeug hat Abmessungen von etwa 33 x 20 x 9 Zentimetern. 

Im Büro hatten wir schon mächtig Spaß mit dem kleinen Kerl. In folgendem Video habe ich einen kleinen Einblick in die Fahrweise des Drift Car festgehalten. Der geht schon ordentlich ab.

Dänemark sollte sich SCHNELLSTENS überlegen, wie man hier dagegen halten kann. Der Off-Road Buggy jedenfalls, stinkt gegen dieses Gefährt massiv ab.

Wie seht ihr das? Lohnt sich für euch der Aufpreis zum Markenprodukt? Habt ihr schon andere Modelle von Kaiyu ausprobiert? Wenn ja, wie sind eure Erfahrungen damit. Lasst es mich gerne via Social Network oder Kommentarfunktion wissen!