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Clementoni 59014 - Helikopter und Airboat - Review

Dezember 6, 2020 - Lesezeit: 9 Minuten

Hallo zusammen,

bei einem Streifzug durch das Klemmbaustein-Sortiment eines örtlichen Spielwarensortimenters, ist mir eine Reihe Sets ins Auge gefallen, die mir bisher gänzlich unbekannt waren. Der italienische Spielwarenhersteller Clementoni hat sich mit ProSiebenSat1 und deren Marke Galileo zusammengetan und eine Reihe Sets mit didaktischem Mehrwert herausgebracht. Ob sie diesen hohen Anspruch erfüllen, erfahrt ihr nach dem Break!

Mit der neuen Set Reihe "Construction Challenge" versucht Clementoni in einem Feld Boden gut zu machen, in dem das dänische Klemmbaustein-Vorbild einigen Boden verloren hat. Vor allem frühere Technicsets aus Dänemark zeichneten sich durchaus auch mit dem Anspruch aus, komplexe technische Zusammenhänge auch jüngeren Jahrgängen nahe zu bringen. Selten gingen diese aber sehr ins Detail. Das Wissen um das Wieso und Warum musste sich der geneigte Nachwuchs selbst erarbeiten. Hilfestellungen und Erläuterungen zu einzelnen Funktionalitäten gab es selten bis nie.

Clementoni verfolgt hier einen gänzlich anderen Ansatz. Neben dem Klemmbausteinset selbst, liegt dem Set auch ein durchaus auch für Erwachsene interessantes Booklet bei, das nochmal auf einzelne Funktionen des Sets eingeht und die physikalischen Hintergründe erklärt. Der Ansatz ist toll und verdient es, genau unter die Lupe genommen zu werden.

Aber zuerst ein paar Fakten zum Modell. Das hier vorliegende Set ist zum Preis von um die 10 EUR zu bekommen. Mit seinen mehr als 130 Teilen bietet es sich somit durchaus auch als Mitnahmeset zum Taschengeldpreis an. Clementoni empfiehlt eine Zielgruppe von mindestens 8 Jahren.

Die Verpackung

Sehr löblich ist der Aufbau der Verpackung. Während Verpackungen anderer Hersteller bereits als Wegwerfartikel entworfen werden, handelt es sich bei dieser Box eher um einen stabileren Karton aus zwei Teilen, wie man ihn klassischerweise auch von Brettspielen kennt.

Selbst wenn das Set abgeliebt ist, lassen sich die Teile in zerlegtem Zustand einschließlich des didaktischen Begleitmaterials im Karton zwischenlagern.

Die Vorderseite zeigt beide Modelle und gibt Auskunft, wohin die Reise mit diesem Set hin soll. Man verkauft das Set nicht in erster Linie als Spielset, sondern streicht besonders die Lerninhalte deutlich heraus.

Die Rückseite gibt uns weitere Details zu den einzelnen Funktionen des Sets. Ebenfalls toll: Dank einer auf der Rückseite aufgedruckten Teileliste, ist bereits vor dem Kauf klar, was uns innerhalb dieses Sets erwartet. Dieses "Feature" dürfen sich andere Hersteller gerne abkucken.

Der Aufbau

Clementoni liefert die etwas über 130 Teile halbwegs sortenrein verpackt in acht Tütchen. Auf den ersten Blick sieht das alles noch sehr "Lego-like" aus. Der erste Blick täuscht aber gehörig.

Das Begleitbooklet erklärt kompakt, um welche physikalischen Grundlagen es in diesem Set geht. Grundsätzlich will dieses Set vermitteln, wie sich durch die Rotorblätter Auf- bzw. Vortrieb der beiden gegenübergestellten Antriebsarten erzeugen lässt. Ich finde, das macht das Booklet recht gut. Hier ist es Clementoni gelungen, Wissen zu vermitteln, ohne durch zu viele Details zu langweilen.

Die Anleitung selbst ist einfach genug gehalten, um die Sets jüngeren Baumeister*innen an die Hände zu geben. Es gibt die klassichen Hilfen wie Teilelisten pro Bauabschnitt und Anlegehilfen für Achsen. Der Aufbau sollte mit Hilfe der Anleitung also zügig vonstatten gehen.

Der genauere zweite Blick nach dem Auspacken offenbart ein kleines Geheimnis des günstigen Preises. Viele der Teile wie z. B. auch Kleinkram wie Pins und Achsstopper sind noch in ihren Gussrahmen beigelegt. Tja... damit spart man sich halt das Heraustrennen und Nachbearbeiten der Angusspunkte. Ich will aber schnon mal vorgreifen: Es macht absolut keinen Spaß, jeden einzelnen Pin vor Verwendung erstmal aus ihren Rahmen brechen zu müssen.

Praktisch für Clementoni: Bei dieser Art der Auslieferung fällt bei Clementoni auch kein Abfall durch zurückgebliebene Gussrahmen an, der entsorgt oder recycelt werden müsste. Um das Recyceln können sich die durch diese Sets bedachten Baumeister*innen kümmern.

Was auf den ersten Blick Lego-like ausgesehen hat, offenbart bei genauerem Hinsehen auch einige Unterschiede zum dänischen Vorbild. Ich muss leider all diejenigen enttäuschen, die bereits auf die Verwendung der orangen Pins in eigenen MOCs gehofft haben. Hier bricht Clementoni gewollt mit der Kompatiblität zu den dänischen Steinen. 

Die orangen Pins greifen nur in bereits dafür gedachte Steine, die eine passende Nut für die herausstehenden Fähnchen an den Pins haben. Das ist durchaus pfiffig, verhindert man dadurch das ungewollte verdrehen der dadurch verbundenen Liftarme. In der Lego-Welt sind diese Teile allerdings nicht zu gebrauchen. Da die orangen Pins auch im korrekten Winkel in die betreffenden Steine gesetzt werden müssen, erhöht sich dadurch aus meiner Sicht auch der Schwierigkeitsgrad, beim Aufbau der Sets.

Die restlichen Pins passen allerdings auch auf dänische Klemmbausteine. Auch bei den Achsverbindungen ist alles untereinander kompatibel. Dankenswerterweise legt Clementoni bereits einen Teiletrenner bei. Diesen benötigt man vor allem beim Trennen der orangen Pins.

Ansonsten gestaltet sich der Aufbau leider als recht lustfrei. Wie schon angedeutet ist das Herausbrechen jedes einzelnen Pins ein Graus und gebietet sich nur bei Sets von kleinerem Umfang. Selbst wenn das halbwegs einfach und wenigen Rückständne funktioniert, würde ein Klemmbausteinset das hunderte dieser Pins im Gussrahmen enthält, jeden halbwegs geistig gesunden Menschen in kürzester Zeit in den Wahnsinn treiben.

Und die Achsstopper... Leute... Warum legt ihr diese Teile bei, wenn die nicht auch nur ansatzweise in der Lage sind, ihrem angedachten Job gerecht zu werden? Schon bei Aufbau fielen einige dieser Achsstopper allein durch das Herumhantieren am Helikopter wieder ab. Und auch diese müssen einzeln aus ihrem Rahmen gebrochen werden.

Beim Bespielen des Sets ist mir zudem aufgefallen, dass sich einige Teile allein durch den Widerstand durch die Zahnräder wieder auseinander drücken. Mit sowas zu spielen macht einfach keinen Spaß.

Fazit

Allem Frust zum Trotz will ich euch Bilder der fertigen Sets nicht vorenthalten. Es kann immer nur ein Set gebaut werden. Bevor ich das Aiboat bauen konnte, musste der Hubschrauber erst wieder auseinander genommen werden. Aufgrund der mangelnden Klemmkraft vieler Teile, ging das recht zügig vonstatten.

Ich habe den ungefähren Verdacht, dass sich Clementoni bei seinen Construction Challenge Sets zu sehr auf die didaktischen Inhalte konzentriert und den Spaß an der Sache dabei zu gering bewertet oder gar vergessen hat. Wenn ich mich in mein kindliches Selbst zurückversetze, könnte ich mir schon vorstellen, dass mir ein solches Set gefallen hätte. Aber dann muss es in zweiter Instanz auch bespielbar sein.

Aus meiner persönlichen Sicht, ist das hier nicht gegeben. Was durch das gute Begleitbooklet und den hochwertigen Karton sehr spannend anfing, hinterlässt nach dem Aufbau doch einen faden Beigeschmack. Somit versagt dieses Produkt leider in der Gesamtwertung. Dann lieber doch ein Technic-Set aus Dänemark ohne wissenschaftliche Aufbereitung.

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