LEGO 77256 - Zeitmaschine aus Zurück in die Zukunft

LEGO 77256 - Zeitmaschine aus Zurück in die Zukunft

Hallo zusammen,

Der DMC DeLorean (technisch eigentlich DMC-12) ist eines dieser seltenen Beispiele, bei denen die Geschichte hinter dem Auto fast noch spannender ist als das Fahrzeug selbst. Es ist eine Mischung aus Hollywood-Glanz, politischem Drama und technischem Ehrgeiz.

Grund genug für LEGO, erneut ein Set dieses Fahrzeugs nach der CUUSOO-Reihe (Vorgänger von IDEAS) und als Fahrzeug im Maßstab 1:12 nun in der Speed Champions-Reihe erneut aufzulegen.

Was das Set taugt und warum gerade dieses Fahrzeug so besonders ist, dass es immer wieder im LEGO-Portfolio auftaucht, erfahrt ihr nach dem Break!

Die Marke DMC

Hinter der Marke DMC stand John DeLorean, ein ehemaliger Star-Manager bei General Motors (GM), der maßgeblich für den Erfolg des Pontiac GTO verantwortlich war. Er verließ GM, um sein eigenes "ethisches" Auto zu bauen: sicher, langlebig und zeitlos.

Obwohl er heute meist nur "DeLorean" genannt wird, stand die "12" ursprünglich für den geplanten Verkaufspreis von 12.000 US-Dollar (ein Ziel, das bei weitem verfehlt wurde; am Ende kostete er über 25.000 USD).

Die Produktion begann 1981, doch die Probleme häuften sich schnell. Die ersten Fahrzeuge, die in den USA ankamen, mussten oft aufwendig nachgebessert werden. Eine Rezession in den USA ließ die Nachfrage nach teuren Sportwagen einbrechen.

In einem verzweifelten Versuch, die Firma vor dem Bankrott zu retten, wurde John DeLorean 1982 in eine FBI-Falle gelockt. Er wurde beschuldigt, einen Kokainschmuggel finanziert zu haben. Er wurde zwar später freigesprochen, aber der Ruf der Firma war ruiniert.

In 1982 meldete DMC Insolvenz an. Vom DMC-12 wurden insgesamt nur etwa 9.000 Exemplare gebaut.

Das Fahrzeug

Das echte Auto war als luxuriöser, langlebiger Sportwagen konzipiert, kämpfte aber mit dem Gewicht der schweren Edelstahlpaneele und einem eher schwachen Motor; ein 2,85-Liter-V6-Motor, der gemeinsam von Peugeot, Renault und Volvo entwickelt wurde.

Die Entscheidung für die Fertigung der Karosserie aus gebürstetem SS304-Edelstahl war einer der zentralen Pfeiler von John DeLoreans Vision eines „ethischen Autos“. Er wollte kein Fahrzeug bauen, das nach wenigen Jahren rostet oder aus der Mode kommt (geplante Obsoleszenz), sondern ein Auto für die Ewigkeit.

Was in der Theorie brillant klang, brachte in der Praxis massive Probleme mit sich.

Edelstahlbleche sind deutlich schwerer als herkömmliche dünne Stahlbleche oder Aluminium, was die ohnehin schwache Motorleistung weiter ausbremste.

Man sieht jeden einzelnen Fingerabdruck. Das Fett der Haut reagiert mit der Oberfläche und hinterlässt dunkle Flecken, was dazu führte, dass Besitzer ihre Autos ständig mit Edelstahlreiniger putzen mussten.

Während man Kratzer herausschleifen konnte, waren Dellen eine Katastrophe. Edelstahl lässt sich nicht einfach „ausbeulen“ und spachteln wie herkömmliches Blech. Oft musste bei einem Unfall das gesamte Karosseriepaneel ersetzt werden – was extrem teuer war.

Das Metall heizt sich in der Sonne stark auf, was die Klimaanlage des Wagens oft an ihre Grenzen brachte.

Heute ist der DMC-12 ein begehrtes Sammlerobjekt. Eine Firma in Texas (die neue DeLorean Motor Company) hat die Namensrechte und Restbestände an Ersatzteilen aufgekauft und wartet die verbliebenen ca. 6.500 Fahrzeuge weltweit.

Dass wir heute noch über den DeLorean sprechen, verdankt er fast ausschließlich der Filmreihe "Zurück in die Zukunft" (1985–1990). Regisseur Robert Zemeckis wählte den Wagen wegen seines futuristischen Aussehens, das im Film perfekt als "selbstgebautes Raumschiff" eines verrückten Wissenschaftlers funktionierte.

Im Film wird der DeLorean durch „Doc“ Brown massiv modifiziert. Die Optik ist geprägt von „Greebles“ (technischen Kleinteilen), Kabeln und Flugzeug-Ersatzteilen.

Das Herzstück des Filmfahrzeugs bildet der Fluxkompensator. Laut Doc Brown ist er das, „was Zeitreisen erst möglich macht“. Er ist in der Kabine zwischen den Sitzen montiert.

Um einen Zeitsprung zu absolvieren, benötigte der Film-DeLorean die Energiemenge von 1,21 Gigawatt und eine Geschwindigkeit von 88 Meilen pro Stunde. Sobald der Wagen diese Geschwindigkeit (ca. 142 km/h) erreicht, wird die Zeitreise aktiviert. Allerdings konnte der echte Tacho des DeLorean serienmäßig nur bis 85 mph anzeigen. Für den Film wurde ein spezieller Tacho eingebaut, der mehr anzeigte.

Die Filme

Die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie (Originaltitel: Back to the Future) gilt als eines der perfektsten Drehbücher der Filmgeschichte. Regisseur Robert Zemeckis und Produzent Steven Spielberg schufen damit ein zeitloses Popkultur-Phänomen.

Die Geschichte folgt dem Teenager Marty McFly (Michael J. Fox) und dem exzentrischen Wissenschaftler Dr. Emmett „Doc“ Brown (Christopher Lloyd), die mit einem zur Zeitmaschine umgebauten DeLorean durch die Jahrzehnte reisen.

Teil I (1985) – Der Urknall der Reihe

Durch ein Missgeschick landet Marty im Jahr 1955. Dort verhindert er versehentlich das erste Treffen seiner Eltern.

  • Der Konflikt: Marty muss dafür sorgen, dass sich seine Eltern verlieben, sonst werden er und seine Geschwister einfach aus der Existenz gelöscht.
  • Das Ziel: Er muss einen Blitzschlag in die Rathausuhr nutzen, um die nötigen 1,21 Gigawatt Leistung für den DeLorean zu gewinnen und zurück in das Jahr 1985 zu gelangen.

Der DeLorean verfügt im ersten Teil über einen auf dem Zerfall von Plutonium basierenden Kernreaktor. In diesem Teil ist der DeLorean abgesehen von seiner alternativen Energiequelle und der Fähigkeit zur Zeitreise noch ein nahezu normales Straßenfahrzeug.

Teil II (1989) – Die Zukunft und alternative Realitäten

Doc, Marty und seine Freundin Jennifer reisen in das Jahr 2015, um Martys zukünftige Kinder vor Unheil zu bewahren.

  • Der Clou: Der alternde Bösewicht Biff Tannen stiehlt die Zeitmaschine und einen Sport Almanach mit Sportergebnissen aus der Zukunft. Er reist zurück nach 1955 und macht sein jüngeres Ich zum Milliardär.
  • Das Chaos: Marty und Doc kehren in ein völlig verändertes, dystopisches 1985 zurück und müssen erneut nach 1955 reisen, um den Almanach zu zerstören, ohne ihr „anderes Ich“ aus Teil I zu stören.

Durch seinen Aufenthalt in der (aus Perspektive von 1989) Zukunft, hat der Doc den DeLorean schon mit einigen Features ausgestattet, die deutlich mehr nach Science-Fiction klingen.

Den "klassischen" Kernreaktor hat Doc durch Mr. Fusion ersetzt. Einer neuartigen Energiequelle, die durch Abfall gespeist werden kann. Zudem erhält der DeLorean einen Hover-Modus.

Teil III (1990) – Das Finale im Wilden Westen

Nachdem der DeLorean am Ende von Teil II vom Blitz getroffen wurde und Doc Brown ins Jahr 1885 verschlagen hat, reist Marty ihm nach, um ihn zu retten.

  • Das Setting: Ein klassischer Western. Doc verliebt sich in die Lehrerin Clara Clayton, was die Rückreise verkompliziert.
  • Das Finale: Da es 1885 kein Benzin für den DeLorean gibt (und die Benzinleitung defekt ist), muss eine Dampflokomotive den Wagen auf die nötigen 88 Meilen pro Stunde (ca. 142 km/h) beschleunigen.

Notgedrungen muss Doc in diesem Teil der Reihe auf zeitgenössische Bauteile zurückgreifen. Vakuumröhren und Räder, mit denen der DeLorean auf Schienen geschoben werden kann, prägen die Optik dieser Version der Zeitmaschine.

Das Set

Nun kommen wir aber zu dem Thema, an dem ihr wahrscheinlich wirklich interessiert seid. Wir widmen uns nun dem Klemmbausteinset. Bevor wir ans Klemmen kommen, müssen wir zuerst kurz über die Preisgestaltung bei den Speed Champions Neuheiten reden.

LEGO bietet das Set für die UVP von 27,99 EUR für 357 Teile an. Damit verlangt LEGO bei diesem Set den gleichen Tarif, wie bei den anderen neuen Speed Champions Sets und zumindest schon mal keinen gravierenden Lizenzaufschlag. Dafür gibt's nen Daumen hoch.

Allerdings muss man sich auch vor Augen halten, dass wir zusammen mit größeren Sets (die ersten Sets waren sechs Noppen breit), auch eine ordentliche Teuerungsrate hingelegt haben. So war das Set 75885 - Ford Fiesta M-Sport WRC noch für 9,99 EUR zu bekommen. Bei 202 Teilen.

Der Teilepreis ist nicht immer ein fairer Vergleichsmaßstab, aber ich glaube in dem Fall geht das durchaus klar, weil bei den Speed-Champions eigentlich querbeet alle Teile und nicht, wie bei den Gemälden zum Beispiel hunderte 1x1 Round Plates enthalten sind. Während man also den Ford (auch ein Lizenzset) für 5 Cent pro Teil schießen konnte, müssen beim DeLorean schon 8 Cent pro Teil über die Ladentheke wandern. Während die ersten Speed Champions gerne zur Mitnahme im Vorbeigehen anregten, kauft man sich die neuen schon gezielter und überlegter.

Jetzt wollen wir aber endlich herausfinden, ob dafür auch die Leistung stimmt.

Verpackung

LEGO bringt das Set in einer ganz gewöhnlichen Speed Champions Pappschachtel. Nichts außergewöhnliches. Nichts, das man sich zum Fahrzeug dazustellen oder sammeln würde. Das war seinerzeit bei der CUUSOO-Variante noch anders. Die CUUSOO-Sets kamen in stabilen Boxen, die aufklappbar waren und sich damit zerstörungsfrei öffnen ließen.

Natürlich kann man trefflich darüber streiten, ob man für dieses Set eine Ausnahme gegenüber den "normalen" Speed Champions Sets hätte machen sollen. Dem Fan-Service hätte eine solche Präsentation sicher nicht geschadet.

Auf der Rückseite sollte einem direkt der Hinweis auf die 2in1-Funktion des Sets auffallen. Dabei handelt es sich um eine aus meiner Sicht vergeben Chance. Die Variante, die zum dritten Teil der Filmreihe passen würde bleibt außen vor. Warum verdammt? Kleine Info am Rande: Das CUUSOO-Modell konnte in allen drei Varianten gebaut werden.

Gerade bei diesem Set gibt es doch sicher genug (bitte entschuldigt, ich meine das auf die wertschätzendste und liebevollste Weise, die ihr euch vorstellen könnt) "Bekloppte", die sich das Set mehrfach kaufen würden, um alle drei Varianten gleichzeitig ausstellen zu können. Warum scheißt man darauf und spart eine kleine Hand voll Teile weg?

Ich verweise zudem auf die Creator 3-in-1-Sets. Man munkelt, es soll unter den LEGO-Designern pfiffige Köpfe geben, denen es gelingt, mit ganz wenigen Mitteln multifunktionale Sets zu entwickeln. Hat man die hier also schlafen geschickt?

Der Aufbau ist in insgesamt fünf Bauabschnitte aufgeteilt. Notwendig wäre das bei der überschaubaren Teileanzahl nicht gewesen. Wenn man nicht wie ich da sitzt, Fotos anfertigt und Gedanken zum Set notiert, lässt sich das Fahrzeug von halbwegs erfahrenen Baumeistern in einer guten halben Stunde zusammenbauen.

Die Bauanleitung enthält ein paar Anspielungen und Vergleiche zum "echten" Fahrzeug. Auch das kennt man so von anderen Speed Champions Sets.

Figuren

Für viele unter euch sind die Figuren einer der wichtigsten Kaufgründe für ein bestimmtes Set. Grund genug, sich die beiliegenden Figuren mal etwas genauer anzuschauen.

Im Gegensatz zum Marty aus dem CUUSOO-Timemachine-Set erhält der neue Marty eine echte Weste. Im alten Set war diese aufgedruckt. Ich finde, durch diese Maßnahme gewinnt der neue Marty etwas an Spielwert. Im Vergleich zum alten Marty erhält der Marty zudem ein markanteres Gesicht, wie es auch schon bei dem großen DeLorean (LEGO ICONS 10300) enthalten war. In der neuen Version ist nur der Oberkörper bedruckt, während beim ICONS Set auf die Beine einen Druck erhalten hatten.

Auch der Doc hat eine Generalüberholung erfahren. Andere Haare, anderes Gesicht und ein neuer Oberkörper sind Teil dieses Sets.

Sehr schön: Wenn auch der Druck auf den Beinen eingespart wurde, hat sich LEGO wenigstens dazu hinreißen lassen, die Oberkörper auch auf der Rückseite zu bedrucken. Danke dafür.

Aufbau

Zum Aufbau selbst gibt es LEGO-typisch wenig Aufregendes zu sagen. Die Bauanleitung ist auch für Ungeübte verständlich und gibt keine Rätsel auf. LEGO empfiehlt ein Alter ab 9 Jahren aufwärts. Das Auffädeln der "Verkabelung" um die Radkästen ist vielleicht ein wenig fummelig. Hier könnten Jüngere Baumeister Unterstützung benötigen.

Im Bauschritt 88 hat LEGO ein kleines Easteregg versteckt. Man erinnere sich an die 88 Meilen pro Stunde, welche die Zeitmaschine erreichen musste, um den Zeitsprung zu absolvieren.

Fazit

Bei allen Unkenrufen... Hat man das Set erstmal fertig gestellt, präsentiert sich der DeLorean sehr ansehnlich auf dem Bautisch. Während der CUUSOO-DeLorean sagen wir mal... hemdsärmelig aussah, gibt es beim neuen DeLorean viel Detailreichtum. Man erkennt direkt auf den ersten Blick, mit was man es hier zu tun hat.

Was mich positiv überrascht hat, ist die geringe Anzahl Sticker, die diesem Set beiliegen. Es sind für diese Preisklasse erstaunlich viele hochwertige und gut aufgelöste Drucke enthalten. Das kennt man aus einigen Speed Champions Sets auch mal anders. Schließlich will man ja auch klemmen und nicht kleben.

Die Figuren haben im Vergleich zum CUUSOO-Set ein Upgrade erhalten. Ja, sie sind nicht ganz so hochwertig aufbereitet, wie die Figuren aus dem ICONS-Set. Wir vergleichen hier aber auch mit einem Set, das nahezu 10 mal so teuer ist. Ich denk, da kann man den Colt auch mal stecken lassen. 

Der einzige echte Wermutstropfen aus meiner Sicht ist, dass uns die Möglichkeit genommen wurde, das Set auch in der Variante zum dritten Teil der Filmreihe umzubauen. Das verstehe echt wer will. Ich denke, bei der aktuellen Preisgestaltung, wäre hier mehr drin gewesen.

Seis drum. Bei Fans der Reihe wird dieses Set trotzdem sicher guten Anklang finden. Auch Figurensammler haben einen neuen Grund, zum Kauf in das Regal zu greifen. Alle anderen erhalten ein außergewöhnliches Fahrzeug mit einer bewegten Geschichte für ihre Sammlung.